12 Jing BieDie 12 Jing Bie, auch divergierende oder Sonderleitbahnen genannt, sind ein wichtiger Teil des Jing-Luo-Systems der TCM. Sie zweigen von den 12 Hauptmeridianen ab und bilden tiefere interne Verbindungen.Definition und CharakteristikaDer Name besteht aus Jing = Leitbahn/Kanal und Bie = abzweigen / divergieren. Sie sind also Abzweigungen der Hauptleitbahnen oder divergierende Leitbahnen. Sie haben keine eigenen Akupunkturpunkte. Sie verlaufen tiefer als die Hauptmeridiane und enthalten vorwiegend oberflächliches Wei-Qi, das die Jing Bie in die Tiefe führen und so Pathogene in der Tiefe speichern können und so die Yin-Organe schützen und eine sekundäre Verteidigungslinie bilden. (Klassische Beschreibung vor allem im Ling Shu - Kapitel 11).Aufbau und VerlaufDie 12 Jing Bie sind in 6 Yin-Yang-Paare (die Sechs Konfluenzen / Liu He) organisiert, die den extern-intern gekoppelten Hauptmeridianen entsprechen:* Blase - Niere (Fuß-Taiyang / Fuß-Shaoyin) * Gallenblase - Leber (Fuß-Shaoyang / Fuß-Jueyin) * Magen - Milz (Fuß-Yangming / Fuß-Taiyin) * Dünndarm - Herz (Hand-Taiyang / Hand-Shaoyin) * San Jiao - Perikard (Hand-Shaoyang / Hand-Jueyin) * Dickdarm - Lunge (Hand-Yangming / Hand-Taiyin) Der typische Verlauf (von distal nach proximal) führt von den Abzweigung von der Hauptleitbahn meist an großen Gelenken wie Knie, Hüfte, Schulter, Ellenbogen (Ausnahme z. B. Leber). Nach ihrem Eintritt in die Tiefe haben die Verbindungen mit den zugehörigen Zang- und/oder Fu-Organen und steigen dann zum Rumpf und weiter zum Hals/Nacken/Kopf auf. Die Yin-Jing-Bie vereinigen sich mit den zugehörigen Yang-Jing-Bie: Beide münden schließlich in die Yang-Hauptleitbahn des Paares (meist im Hals-/Nackenbereich). So werden auch die Yin-Hauptleitbahnen indirekt mit dem Kopf verbunden (die Yin-Meridiane erreichen den Kopf sonst eben nicht direkt). Funktionen* Stärkung der Biao-Li-Beziehung (außen-innen) zwischen den gekoppelten Yin-Yang-Meridianen und den zugehörigen Zang-Fu-Organen.* Verbindung von Oberfläche und Tiefe sowie von Extremitäten und Kopf/Rumpf. * Versorgung der inneren Organe mit Wei-Qi und zusätzliche interne Verbindungen, die die Hauptmeridiane nicht haben. * Klinisch oft relevant bei chronischen oder latenten Pathogenen, die in die Tiefe abgedrängt wurden (z. B. chronische muskuloskelettale Schmerzen, Hautprobleme, Sinnesorganstörungen, emotionale Muster oder Organbeschwerden mit intermittierendem Charakter). Bezug zu den drei UmläufenDie Jing Bie lassen sich den drei klassischen Umläufen der Hauptmeridiane zuordnen (wie in manchen deutschsprachigen Darstellungen betont):1. Umlauf: Lunge-Dickdarm und Milz-Magen 2. Umlauf: Herz-Dünndarm und Niere-Blase 3. Umlauf: Perikard-Dreifacher Erwärmer und Leber-Gallenblase Sie unterstützen und vertiefen die Verbindungen innerhalb dieser Umläufe, ohne selbst Teil des tageszeitlichen Qi-Umlaufs zu sein. Anmerkung* Behandlung erfolgt indirekt über Punkte der Hauptmeridiane (besonders Abzweigungsstellen, sowie untere und obere Vereinigungspunkte der Paare).* Häufig eingesetzt bei komplexen, chronischen oder multiplen Störungen, bei denen die reinen Hauptmeridian-Behandlungen nicht ausreichen. * Moderne klinische Interpretationen (z. B. nach Jeffrey Yuen, David Twicken u. a.) erweitern die klassischen Beschreibungen um Aspekte der Latenz von Pathogenen und tiefere emotionale/konstitutionelle Ebenen. Die Jing Bie ergänzen also die Hauptmeridiane und die außerordentlichen Meridiane (Qi Jing Ba Mai), indem sie tiefere interne und Yin-Yang-verknüpfende Wege schaffen. |
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